Ölmultis in Europa
Die Berichtssaison in Europa ist in vollem Gange. Bisher zeichnet sich ein sehr gemischtes Bild ab. Vor allem die grossen integrierten Gesellschaften des Ölsektors brechen Rekorde.
Die grossen integrierten Ölfirmen haben bisher Rekorde beim Free-Cashflow ausgewiesen – und das bei deutlich tieferen durchschnittlichen Ölpreisen als in der Vergangenheit. Aber der Markt ist skeptisch aufgrund der hohen Volatilität der Ölpreise und ängstlich bezüglich neuer Projekte sowie einer Strategieänderung (weg von der Disziplin bei den Investitionen und der Priorität von Cashflow und Dividenden). Bis jetzt besteht keinerlei Anlass, dass dieser Kurs verlassen wird. Am Beispiel der Quartalsergebnisse von Royal Dutch Shell haben wir das eindrücklich gesehen. Shell hatte angekündigt, die Aktiendividende zu beenden, 6 Prozent Dividendenrendite bar zu zahlen, ein Aktienrückkaufprogramm über 25 Milliarden US-Dollar zu starten, Assets mit niedriger Rendite in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar zu verkaufen, die Investmentdisziplin beizubehalten und die Verschuldung zu senken – und Shell hat geliefert.
Die hohe Volatilität der Ölpreise verunsichert jedoch die Investoren hinsichtlich der zu erwartenden Free-Cashflows im Sektor. Betrachtet man jedoch die Sensitivität der einzelnen Unternehmen in puncto Ölpreis näher, fällt auf, dass die grossen integrierten Ölmultis inzwischen recht gut mit einem etwas tieferen Ölpreis zurechtkommen – selbst mit Durchschnittspreisen von 50 US-Dollar im Jahresverlauf. Bei diesem tiefen Wert, den wir aufgrund der weiter steigenden Nachfrage (vor allem aus China und Indien) nicht längerfristig erwarten, kann man noch mit einer Free-Cashflow-Rendite von 6 Prozent rechnen. Bei 70 US-Dollar pro Barrel wären es 10 Prozent.
Das liegt auch am hohen Anteil an langlebigen Ressourcen – vor allem Gas – mit geringem Investitionsbedarf bei unseren Favoriten Royal Dutch Shell, Total und Equinor.
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