Übertriebene Konjunkturangst
In den letzten Monaten des vergangenen Jahres sind nicht nur die Temperaturen gefallen. Die Aktienkurse und der Ölpreis haben es ihnen gleichgetan und für turbulente Finanzmärkte gesorgt. Genützt hat das den deutschen und den Schweizer Staatsanleihen. Deren Renditen sind im zehnjährigen Bereich zeitweise auf ein Niveau gefallen, das wir zuletzt vor zwei Jahren gesehen haben. Neben den üblichen politischen Themen sorgt derzeit hauptsächlich das Wirtschaftswachstum für Unbehagen. Zu enttäuschenden Konjunkturdaten aus den Industrieländern kommt – wieder einmal – die Sorge um das nachlassende Wachstum in China hinzu.
Das ruft die Pessimisten auf den Platz, die eine Lockerung der an und für sich immer noch lockeren Geldpolitik verlangen. Bei den Zentralbanken stösst diese Forderung zum Glück auf taube Ohren. Es ist nicht die Aufgabe der Geldpolitik, auf jede Kurskorrektur an den Finanzmärkten zu reagieren – vor allem nicht in einer anständigen Wachstumsphase. Aber es ist nicht das erste Mal in den letzten Jahren, dass dieser Ruf nach Hilfe ertönt. Nachdem die Zentralbanken mit der Gelddruckmaschine die Märkte jahrelang beruhigt haben, scheinen sich einige Anleger nun unwohl zu fühlen beim Gedanken, Turbulenzen ohne Unterstützung der Zentralbanken meistern zu müssen.
Dabei dürfte die Lage nicht so düster sein. Ein paar enttäuschende Konjunkturdaten allein sorgen noch nicht für einen Abschwung. Insbesondere der starke Arbeitsmarkt bietet in den Industrieländern Grund zum Optimismus. Die Korrektur am Aktienmarkt wird die Wirtschaft nicht ausbremsen. Die Renditen der Staatsanleihen sind zu tief gefallen und dürften sich wieder erholen, wie es seit Jahresbeginn bereits geschieht. Die Zentralbanken halten mit Recht an ihrem Kurs zur Normalisierung der Geldpolitik fest. Die Wirtschaft ist stark genug, um einen solchen auszuhalten.
Rechtlicher Hinweis: Angaben im Sinne der Finanzanalyse-Vorschriften (Gesetz, Verordnung) finden Sie unter Rechtliche Bedingungen.