Zinsen: ein Ausblick

Dieses Jahr dürfte der schon lange befürchtete Zinsanstieg endlich eintreffen. Wie stark er ausfallen wird, hängt massgeblich von der Entwicklung in den Vereinigten Staaten ab. 

Das von der US-Regierung beschlossene Konjunkturpaket hat die Inflationserwartungen und damit die Zinsen angehoben. Die zehnjährige Staatsanleihenrendite erreichte fast 3 Prozent, ein Niveau, das sie bis Ende des Jahres vermutlich übertreffen wird. Die US-Zentralbank ist zuversichtlich, dass die Inflation heuer anziehen wird. Drei oder vier Leitzinsschritte dürften die Folge sein. Das anwachsende Budgetdefizit ist ein Risiko für die Zinsen im mittleren Laufzeitenbereich. Dort plant das Schatzamt nämlich, die Staatsanleihen für die Finanzierung des Defizits schwerpunktmässig zu emittieren. Die Zinskurve dürfte sich damit insgesamt anheben und flacher werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet die Anleger auf das Ende des Kaufprogramms vor. Damit nährt sie die Spekulation über eine erste Leitzinsanhebung. Diese wird aber aufgrund der noch tiefen Inflation frühestens nächstes Jahr erfolgen. Wenn jedoch die US-Zinsen steigen, werden ihnen die deutschen Zinsen folgen, wenn auch in geringerem Ausmass, wie man das Anfang des Jahres beobachten konnte. Die jüngste Abwärtsbewegung dürfte jedenfalls nicht von Dauer sein. Wenn die EZB als Käufer von Obligationen vom Markt verschwindet, wird die Tendenz auch in Deutschland nach oben gehen.

Mit der fortschreitenden Aufwertung des Euro nimmt der Druck auf die Schweizerische Nationalbank zwar ab, aber an ihrer Politik wird sie vorerst nichts ändern. Damit hängt die Entwicklung der Schweizer Zinsen weiterhin stark von jener der deutschen Zinsen ab. Die Korrelation zwischen beiden Märkten ist mit ungefähr 0.7 recht hoch.

Portrait Roger Wohlwend
Roger Wohlwend, Senior Portfoliomanager, LLB Asset Management AG, Vaduz

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