Zu niedrige Risikoaufschläge?
Unternehmensanleihen zeigen aktuell eine erfreuliche Entwicklung. Getragen wird die gute Performance von günstigen Makrodaten und soliden Quartalszahlen. Ob diese Entwicklung anhalten wird, hängt unter anderem auch davon ab, wann und in welchem Umfang die EZB die Wertschriftenkäufe reduzieren wird.
Die Risikoaufschläge (ASW-Spreads) von Unternehmensanleihen guter Bonität handeln aktuell um 45 Basispunkte bei Jahrestiefst. Unterhalb dieser Schwelle notierten die Spreads zuletzt vor zehn Jahren. Aufgrund von Veränderungen der Indexzusammensetzungen ist die Vergleichbarkeit jedoch beschränkt. Wegen der gestiegenen Duration der entsprechenden Indizes und der schwächeren durchschnittlichen Bonität ist der aktuelle Spread sogar noch teurer als vor der Finanzkrise 2007/08.
Die Bank of England hat nun ein Arbeitspapier vorgelegt (BoE Financial Stability Paper No. 42), das die Auswirkungen eines Verkaufsdrucks auf europäische Investmentfonds simuliert, der durch Kapitalabflüsse ausgelöst werden könnte. In ihrem Basisszenario kommt die BoE zu dem Ergebnis, dass wöchentliche Abflüsse in Höhe von 1 bis 1.3 Prozent des Nettovermögens bei Unternehmensanleihen-Fonds zu einer Spreadausweitung von rund 40 bis 70 Basispunkten führen können. Rücknahmen in dieser Grössenordnung waren sonst nur während der Finanzkrise zu beobachten. Der Wert der Studie liegt indes auf der Hand – sie liefert eine Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen grössere Rückgaben von Fondsanteilen haben, wenn zusätzliche Stresssymptome auf den Finanzmärkten lasten: Eine negative Rückkoppelung (Feedback-Loop) wäre dann noch wahrscheinlicher. Die Fonds würden bei diesem Szenario die Barbestände erhöhen, die Händler die Handelspositionen verringern bzw. die Handelsspannen ausweiten und die Fondsanleger die Anteile vermehrt zurückgeben.
Trotz der ambitionierten Bewertung der Unternehmensanleihen erwarten wir im weiteren Jahresverlauf dank den soliden Konjunkturdaten und Gewinnausweisen der Firmen keine grössere Korrektur.
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