Osteuropa kehrt zurück
Lange war es ruhig um die Börsen in Warschau, Prag, Moskau oder Budapest. Nun erholen sich die Finanzmärkte in Osteuropa wieder. Die Region wächst schneller als Westeuropa, und die Bankenwelt profitiert.
Die Wirtschaft in den EU-Ländern zwischen der polnischen Ostseeküste und der bulgarischen Schwarzmeerküste soll 2017 im Durchschnitt um 4 Prozent wachsen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat ihre Prognosen deutlich nach oben korrigiert. Gründe dafür sind die niedrige Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Konsumfreude. Die Menschen sind optimistisch. Die breite Erholung schaffe Zeitfenster, die Reformen fortzuführen und damit noch stärkere Wachstumsraten über einen längeren Zeitraum nachhaltig zu sichern, so die EBRD.
Ukraine bleibt Sorgenkind
Auch Russlands Fassade beginnt wieder zu glänzen. Mit dem stabilen Ölpreis bringen Rohstoffexporte mehr Geld in die Kassen. Das Wachstum des osteuropäischen Schwergewichts dürfte bei 1.2 Prozent liegen. Sorgenkind bleibt die politisch und wirtschaftlich labile Ukraine. Die Handelsbeziehungen mit Russland sind zerrüttet. Kürzlich brachte Moskau eine 200-Rubel-Banknote mit Motiven der vor dreieinhalb Jahren besetzten Krim in Umlauf und untermauert den Anspruch auf die Halbinsel.
Banken spüren Rückenwind
Der Wirtschaftsaufschwung in Osteuropa beflügelt auch die Finanzmärkte. Die Region ist zurück auf der Landkarte der Aktienanleger. Und osteuropäische und auf Osteuropa spezialisierte westliche Banken spüren Rückenwind. In Zentral- und Osteuropa sind die Unternehmen viel stärker von Banken abhängig als von Kapitalmärkten. Der Bankensektor dürfte somit stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen. Nach sieben Jahren mit hohen Kreditausfällen hat der Bankensektor konsolidiert, die Kreditvergabe steigt und ufert dennoch nicht aus. Für Investoren, deren Risikobudget es zulässt, ist ein Kauf von ausgewählten Bankaktien aus dem osteuropäischen Raum als Depotbeimischung eine Überlegung wert.
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