Unilever – Management unter Druck
Lange Zeit hat es in Europa keine grösseren Übernahmen im Konsumgütersektor gegeben. Doch der gescheiterte Übernahmeversuch von Kraft Heinz, die es auf Unilever abgesehen hatten, hat die Branche wachgerüttelt.
Der gescheiterte Übernahmeversuch für Unilever von Kraft Heinz in der Höhe von USD 143 Mrd. hat mächtig Staub aufgewirbelt. Kraft Heinz ist ein gefürchteter Übernehmer, der von 3G Capital und Warren Buffet unterstützt wird. Unilever hat sich auch darum als Übernahmeziel angeboten, weil in mehreren Bereichen die Margen unter dem Branchenschnitt liegen und die Verschuldung sehr gering ist.
Obwohl der CEO Polman betont, dass ein Unternehmen aufgrund langfristiger Ertragsziele und unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Verpflichtungen und nicht nur für den kurzfristigen Gewinn für die Aktionäre geführt werden sollte, ist der Druck auf das Management enorm gestiegen. Die Chefs aller Sparten, die von Hellmann Mayonnaise und Magnum Eis bis Sunsilk Shampoo und Axe Deodorant reichen, um nur ein paar zu nennen, wurden aufgefordert, Potenziale zur Effizienzsteigerung zu identifizieren.
Das Management hat am 6. April mehrere Massnahmen bekannt gegeben, um den Aktionären entgegenzukommen. Der alte Ausblick bis 2020 wurde durch deutlich aggressivere Ziele bei Margen und Wachstum ersetzt. Es wird neu eine operative Marge von 20 Prozent für 2020 angepeilt (versus 16.4 % für 2016). Das bedeutet eine jährliche Margenausweitung um 90 Basispunkte mit mindestens 80 Basispunkten für 2017. Die Verschuldung, die als viel zu gering angesehen wurde, soll auf 2x Nettoverschuldung/EBITDA angehoben werden. Dies wird erreicht durch Sonderdividenden, Aktienrückkäufe und wertsteigernde Übernahmen. Für den Rest des Jahres 2017 werden noch Aktienrückkäufe in der Höhe von EUR 5 Mrd. gemacht. Die Dividende wird um 12 Prozent erhöht und das Geschäft mit Aufstrichen soll entweder an die Börse gebracht oder verkauft werden. Unilever bleibt daher weiterhin ein interessantes langfristiges Investment.